Ein gut sortierter Gewürzschrank ergänzt die Hausapotheke

von | Dez. 17, 2025

Warum der Gewürzschrank manchmal mehr kann als der Beipackzettel

In der ayurvedischen Lehre beginnt Gesundheit nicht erst dann, wenn es zwickt und zwackt, sondern viel früher. Nämlich im ganz normalen Alltag. Beim Essen, Trinken, im Tagesrhythmus und ja, auch beim Griff ins Gewürzregal. Gewürze sind im Ayurveda nicht nur hübsche Statisten für den guten Geschmack, sondern kleine, hochkonzentrierte Alltagshelfer. Sie unterstützen Verdauung, Wärmehaushalt und innere Balance und das ganz ohne Wartezimmer. So wird ein gut sortierter Gewürzschrank still und leise zur häuslichen Mini-Apotheke.

Nicht als Ersatz für Ärztinnen oder Ärzte, sondern als sanfte Begleitung für das, was uns im Alltag gerne mal begegnet. Völlegefühl, Frösteln, Unruhe, erste Erkältungsanzeichen oder einen Stoffwechsel, der morgens offenbar noch im Schlafanzug steckt.

Kurkuma – die goldene Basis

Kurkuma ist so etwas wie der Klassiker unter den ayurvedischen Gewürzen. Es wird traditionell zur Unterstützung der Verdauung und zur inneren Reinigung eingesetzt. In Suppen, Reisgerichten oder als „Goldene Milch“ mit warmer Pflanzenmilch fühlt es sich besonders wohl. Kurkuma wirkt entzündungshemmend. Typisch Ayurveda: Die Gewürze wirken am besten im Team. Mit etwas schwarzem Pfeffer und Fett kann Kurkuma vom Körper besser aufgenommen werden. Alleine gut, gemeinsam unschlagbar.

Bockshornklee – kräftigend und wärmend

Bockshornklee klingt ein wenig sperrig, ist aber ein echter Kraftprotz. Er wird im Ayurveda vor allem bei Erschöpfung, Kältegefühl und Verdauungsschwäche geschätzt. Die leicht bitteren Samen regen den Appetit an und machen sich gut in herzhaften Gerichten, Eintöpfen oder Brot. In gemahlener Form wird Bockshornklee traditionell auch als Tee verwendet. Klein in der Menge, groß in der Wirkung.

Anis und Fenchel – sanfte Helfer für den Bauch

Diese beiden gehören zu den freundlichsten Gewürzen überhaupt. Anis und Fenchel wirken mild, entspannend und sind auch für empfindliche Menschen gut geeignet. Ein Tee aus zerstoßenen Fenchelsamen oder eine Prise Anis nach dem Essen kann helfen, wenn der Bauch sich bemerkbar macht. Im Ayurveda werden sie gerne nach Mahlzeiten eingesetzt, um Agni, das Verdauungsfeuer, in ruhige Bahnen zu lenken. Kein Feuerwerk, eher ein gemütliches Kaminfeuer.

Ingwer – der Allrounder

Ingwer ist im Ayurveda so etwas wie der gute Freund, der immer einspringt. Er wärmt, belebt und unterstützt die Verdauung. Er ist übrigens auch gut für die Taille – ein fleißiger Fettverbrenner.

Ein kleines Stück frischer Ingwer in heißem Wasser gekocht, gilt am Morgen als klassisches Ritual, um den Tag in Schwung zu bringen. Auch bei ersten Erkältungsanzeichen ist Ingwer traditionell zur Stelle. Unaufgeregt, zuverlässig und mit ordentlich Temperament.

Zimt – mehr als nur ein Weihnachtsgewürz

Zimt kann deutlich mehr als Plätzchen parfümieren. Im Ayurveda gilt er als wärmend und anregend. Er hilft, schwere Speisen bekömmlicher zu machen und bringt den Kreislauf sanft in Bewegung. Zimt vermag es übrigens zudem, den Blutzucker zu regulieren.

In kleinen Mengen im Frühstück, im Tee oder in warmen Getränken sorgt er für Geschmack und ein angenehmes Wärmegefühl. Zudem wirkt er entzündungshemmend.

Muskatnuss – aromatisches Helferlein für die Nacht

Muskatnuss kennt man aus Kartoffel- oder Pilzgerichten. Sie kann aber noch mehr. Im Ayurveda wird sie auch geschätzt, um das Nervensystem zur Ruhe zu bringen. Ein warmes Glas Mandel- oder Hafermilch mit ½ Teelöffel Muskat und etwas Honig vor dem Schlafengehen kann helfen, den Tag loszulassen. Das Ergebnis ist oft ein Schlaf wie in Morpheus Armen – ganz ohne Schäfchen zählen.

Chili – mit Feuer, aber bitte dosiert

Chili ist scharf, bekannt und nichts für Ungeduldige. In Maßen eingesetzt bringt er nicht nur Würze ins Essen, sondern kurbelt auch Stoffwechsel und Fettverbrennung an. Im Ayurveda heißt es allerdings mit Bedacht genießen. Zu viel Chili kann das innere Feuer überdrehen und damit auch das Aggressions- und Entzündungspotential erhöhen. Balance geht vor Schärfewettbewerb.

Cumin (Kreuzkümmel) – stiller Ordnungshelfer

Er zählt im Ayurveda zu den wichtigsten Gewürzen für eine stabile Verdauung. Er gilt als wärmend, ausgleichend und ordnend, besonders bei trägem Stoffwechsel oder empfindlichem Magen-Darm-System. Traditionell wird er zu Beginn des Kochens in etwas Fett angeröstet, damit er seine Wirkung entfalten kann. Er arbeitet leise, aber gründlich und genau das macht ihn so wertvoll.

Gewürze wirken am besten im Alltag

Ayurveda denkt nicht in schnellen Effekten, sondern in Regelmäßigkeit. Gewürze entfalten ihre Wirkung nicht durch spektakuläre Einzeldosen, sondern durch den täglichen, bewussten Einsatz. Warmes, gut gewürztes Essen, in Ruhe genossen, ist oft wirksamer als jede einzelne Zutat für sich.

Ein aufgeräumter Gewürzschrank lädt dazu ein, diese Helfer wiederzuentdecken. Er erinnert daran, dass Fürsorge oft klein beginnt. Mit einer warmen Mahlzeit, einer Tasse Tee, einem kurzen Innehalten. So wird der Gewürzschrank keine Apotheke im medizinischen Sinn, aber zu einem Ort der Prävention.

Alle diese Gewürze erhalten Sie in den meisten gut sortierten Supermärkten oder Gewürzläden, aber auch im Internet.

Für einen kleinen „Probelauf“ hier ein Rezept für eine vegane „Golden Milk“ mit Kurkuma und Zimt:

Zutaten:

  • 500 ml Mandelmilch
  • 1 TL Zimt
  • 2 TL Kurkuma
  • 1 Msp. schwarzer Pfeffer
  • 15 g frischer Ingwer
  • 1/2 TL Kokosöl
  • 1 EL Ahornsirup

Ingwer schälen und fein reiben. Zusammen mit den restlichen Zutaten in einen Topf geben und zum Kochen bringen. Den Topf von der Kochstelle ziehen, die Milch kurz pürieren oder mixen (dadurch wird sie schön cremig) und direkt servieren.

Die Ayurveda-Lehre besagt, dass die besondere Milch

  1. das Immunsystem stärkt (gut bei Erkältungen),
  2. entzündungshemmend ist (insbesondere bei Gelenkbeschwerden),
  3. den Stoffwechsel anregt und die Verdauung fördert (gut bei der Gewichtsabnahme)
  4. reine strahlende Haut und gesunde Haare zaubert (Wellness lässt grüßen),
  5. die Regeneration der Muskeln beschleunigt (nach dem Sport).

 

 

 

 

 

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