16 Stunden mit Wirkung, die niemand fürchten muss

von | Mai 18, 2026

Eine kleine Anleitung zur Fortbildungsplanung – für alle, die das Jahr gerne entspannt beginnen 

Es gibt Menschen, die den Tag, an dem ihr persönlicher Fortbildungszeitraum beginnt, mit einem frischen Notizbuch und einem Gefühl tiefer Befriedigung begehen. Sie haben ihren Lernplan bereits skizziert, die Themen abgewogen, die Stunden säuberlich über die kommenden Monate des Jahres verteilt. 

Und dann gibt es die „Zielgeradenfraktion“. Jene, denen erst vier Wochen vor Ablauf ihres individuellen Fortbildungsjahres – ob das nun im März, im August oder im Oktober ist – bewusst wird, dass da noch etwas aussteht. Hierzu sollte man wissen: Betreuungskräfte nach § 53b SGB XI sind gesetzlich verpflichtet, jährlich mindestens 16 Unterrichtseinheiten Fortbildung nachzuweisen. Für Alltagsbegleiter nach § 45a/b gilt diese Regelung in den meisten Bundesländern ebenso – auch wenn die genaue Ausgestaltung landesrechtlich variieren kann. 

Dieser Artikel ist für beide Gruppen geschrieben – aber vielleicht ein bisschen mehr für die „Zielgeradenfraktion”. 

Das Missverständnis mit den sechzehn Stunden 

Sechzehn Unterrichtsstunden pro Jahr klingen zunächst nach einer Menge. Sie sind es nicht. Wer schon einmal an einem langen Sonntagnachmittag eine spannende Serie durchgeschaut hat, der weiß: Sechzehn Stunden vergehen schneller, als man denkt, wenn man etwas Spannendes macht, das dazu auch noch Spaß macht. 

Der entscheidende Unterschied zur Netflix-Sitzung ist freilich, dass die Fortbildung dokumentiert sein will. Das Zertifikat am Ende des Kurses schmückt jede Wand oder jeden Schreibtisch. Ist aber vor allem der Nachweis, dass man tatsächlich dabei war – und nicht nur das Gerät eingeschaltet hat. 

Die Kunst der klugen Verteilung 

Wer versucht, die sechzehn Stunden auf einen Rutsch zu absolvieren, betreibt etwas Ähnliches wie eine Blitzdiät (die übrigens selten wirklich funktioniert): kurzfristig intensiv, langfristig wenig wirksam. Besser ist, was Lernforscher seit Jahrzehnten sagen und was die meisten seit Jahrzehnten nicht wirklich berücksichtigen: Lernen in Abständen. Spaced learning heißt das im Fachenglisch, und es bedeutet im Grunde nichts anderes, als dass das Gehirn Zeit braucht, um Neues zu verankern.

Praktisch heißt das: Vier Blöcke à vier Stunden, verteilt über das Jahr, sind einer zweitägigen Intensivmarathon-Veranstaltung im November deutlich überlegen. Ob man das Frühjahr, den Sommer oder den goldenen Oktober bevorzugt – der Klügste ist, wer plant, bevor der Alltag es für ihn tut. 

Hier ein Beispiel eines bewährten Schemas: 

  • Februar/März – Wenn die dunkle Jahreszeit Innenschau begünstigt: ideal für Themen wie Kommunikation, Gesprächsführung oder Selbstreflexion. Die CarePro bietet hier bspw. die folgenden Themen an: „Kommunikation mit pflegenden Angehörigen“ ODER „Selbstfürsorge im Betreuungsalltag“. 
  • Mai/Juni – Die Energie steigt, das Thema darf konkreter sein: Aktivierungsmethoden, Beschäftigungsideen, Biographiearbeit. Seitens der CarePro Akademie können Sie bspw. wählen: „Betreuungsangebot im Rhythmus der Jahreszeiten“ ODER auch „Ernährung – Glück geht durch den Magen“ UND „Aktivierende Hauswirtschaft“. 
  • September – Nach der Urlaubszeit, frisch erholt: gut geeignet für anspruchsvollere Inhalte wie Demenz, herausfordernde Verhaltensweisen, rechtliche Grundlagen. Hier bieten wir Ihnen seitens des Akademie-Programms: „Psychische Erkrankungen im Alter“ ODER „Das Metabolische Syndrom in der Betreuung“ und andere. 
  • November/Dezember – Wenn das Jahr zur Ruhe kommt: Selbstfürsorge, Resilienz, Sterbebegleitung – Themen, die Tiefe verlangen und Zeit. Unsere Themen für diesen Jahresabschnitt: „Trauer verstehen und integrieren“ ODER „Multiple Sklerose in der Betreuung“ ODER auch „Der Einfluss von Musik in der Betreuung“. 

 Ein letztes Wort an die „Zielgeradenfraktion“ 

Da der Fortbildungszeitraum für jede Betreuungskraft individuell beginnt und endet, gibt es keine kollektive Dezemberhektik – sondern eine charmant verteilte:  Jemand gerät im März in Zugzwang, jemand anderes im September, wieder jemand im Juli. Die „Zielgeradenfraktion“ ist, statistisch gesehen, das ganze Jahr über unter uns. Was sie eint: Selbstlernkurse und E-Learnings haben den demokratischen Vorzug, dass sie weder auf Anmeldeschlüsse (es sei denn es handelt sich um sich jährlich wiederholende Pflichtschulungen) noch auf günstige Wetterlagen warten. Man kann sie “häppchenweise” abends absolvieren, am Wochenende, wenn die Kinder in der Schule sind und der Vormittag “frei” ist. Das Zertifikat ist am Ende dasselbe wie das der Vorausplaner. 

Nur eines sollte man sich dabei sparen: das schlechte Gewissen. Und sollte es guten Gewissens durch ein Klopfen auf die eigene Schulter ersetzen: Denn wer in dieser Berufssparte lernt – planvoll oder auf den letzten Drücker, morgens um sieben oder abends um elf – tut dies nicht für eine Statistik. Er tut es für Menschen in einer der verletzlichsten Phasen ihres Lebens. Das ist kein kleines Ding. Das ist der Kern eines der wichtigsten Berufe unserer Gesellschaft. Also: Schulter hin, Hand drauf. 

Die CarePro Akademie steht Ihnen dabei zur Seite – unabhängig davon, ob Sie zu den Vorausplanern oder der „Zielgeraden – Fraktion“ gehören. Wir freuen uns über Rückmeldungen ebenso wie über Themenvorschläge: Denn die besten Fortbildungsideen entstehen dort, wo der Alltag am lautesten spricht – bei Ihnen. 

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