Krimidinner zu gewinnen! Betreuungsfall XY ungelöst, die Fälle der Nina Falkenstein. Mitratekrimi in 6 Teilen, Teil 5

von | Dez. 30, 2025

Nina Falkenstein hatte schlecht geschlafen.

Nicht wegen des Smaragds. Nicht wegen des tobenden ägyptischen Diplomaten. Sondern wegen dieses einen Gedankens, der sich festgesetzt hatte wie ein Kieselsteinchen im Schuh: Wellensittiche machen keine Geräusche wie „Pring-Pring“.

Sie stand früh bei Frau Moospichler auf der Matte. Frau Moospichler bestand zweimal die Woche darauf, eine Earlybird – Dusche zu nehmen, bei der Nina immer unterstützte. Zu früh, fand Kommissar Runde, der ebenfalls im Wohnzimmer stand und aussah, als hätte er die Nacht unter einem Aktenordner verbracht.

„Frau Falkenstein“, murmelte er, „wenn Sie mir jetzt sagen, der Vogel hat gesprochen, kündige ich wirklich.“ „Noch nicht“, sagte Nina. „Aber er hat… hm… sagen wir: reagiert.“

Horus saß im Käfig. Still. Ein wenig zu still.

Als Nina die neue Schaukel nur ein klein bisschen anhob, flackerte das winzige blaue Licht. Horus’ Kopf zuckte minimal nach rechts. Nicht flatterig. Nicht neugierig. Eher „gezielt“.

„Haben Sie das gesehen?“, flüsterte Nina.

„Was?“, fragte Frau Moospichler, die gerade frisch wie der junge Frühling von der Morgentoilette im Badezimmer ins Wohnzimmer kam. „Er ist doch so ein ganz so ein Lieber! Oder, mein Schatz?“ Sie brachte ihr Gesicht ganz nah vor den Käfig. „Heiko soooooooo lieb“, piepste Heiko Horus automatisch. Zu automatisch fand Nina, aber vielleicht litt sie auch schon unter Verfolgungswahn.

Kommissar Runde kniff die Augen zusammen. „Frau Falkenstein, liebe gute Frau Falkenstein, sagen Sie jetzt bitte nicht, der Vogel… hört auf irgendetwas.“ flüsterte er. So „flüstrig“, wie es ihm möglich war, damit Frau Moospichler nicht mithören konnte. Aber die war auch mit Horus aka Heiko beschäftigt.

Nina blickte Runde direkt ins Gesicht: „Ich sage: Er reagiert. Auf Signale.“

Sie hatte sich angewöhnt, Dinge nicht sofort zu benennen. Nicht „Verdacht“. Nicht „Beweis“. Nicht „Gefahr“. Sie nannte so etwas lieber: Unstimmigkeiten.

„Ich habe mir diesen Einkaufsdienst angesehen“, sagte sie und legte ihr Handy langsam auf den Tisch, als handle es sich um etwas Zerbrechliches. „Und einen guten Bekannten im Gewerbeamt um einen schon lang ausstehenden Gefallen gebeten… NEU-LIEFERT ist erst seit knapp zwei Jahren am Markt. Keine Werbung. Kein echtes Impressum. Aber erstaunlich viele seniore Stammkundinnen und -kunden.“

Kommissar Runde rührte mechanisch in seinem Kaffee und starrte Nina müde an. Wieso hatte diese Frau gute Verbindungen zum Gewerbeamt und er nicht? Wieder gedanklich zum Kaffee zurückkommend, musste er feststellen, längst vergessen zu haben, ob er Zucker hineingetan hatte oder nicht. Er rührte einfach weiter. „Viele Start-ups sind seltsam, Frau Falkenstein. Das ist bis hierhin noch nicht sehr ungewöhnlich“.

„Ja“, sagte Nina ruhig. „Aber nicht alle verschenken elektronische Wellensittich-Schaukeln mit winzigen blingbling-Lichtern daran.“

Frau Moospichler lachte nervös und drehte sich vom Vogelkäfig weg. Offensichtlich hatte sie doch bessere Ohren, als Nina vermutet hatte. „Ach, Frau Falkenstein, Sie sehen Gespenster. Diese jungen Leute – hahaha – die sind halt kreativ! Früher gab’s Butterfahrten, heute gibt’s Bonusboxen mit blingbling.“ Nina lächelte höflich. „Wir müssen Ihnen jetzt erst einmal Ihr Müsli machen, Frau Moospichler  – sonst fallen Sie mir noch aus den Hausschuhen…!“ Sie schob Frau Moospichler – immer noch im geblümten Morgenrock – sanft in die Küche. Doch ihr Blick blieb an Horus hängen.

Der Vogel saß ungewöhnlich aufrecht. Nicht entspannt. Nicht schläfrig. Er wirkte… wartend.

„Ist Ihnen aufgefallen“, fragte Nina so beiläufig wie möglich zu ihrer Kundin auf dem Weg an den Küchentisch, „dass Horus immer dann still wird, wenn jemand Neues den Raum betritt?“ „Er ist eben gut erzogen“, sagte Frau Moospichler sofort. Nina servierte Frau Moospichler in der Küche Müsli, etwas Obst und Kaffee und kehrte ins Wohnzimmer zurück, während Frau Moospichler mit ihrer Morgenmahlzeit beschäftigt war

Als Nina ihr Handy entsperrte, hob Horus (oder Heiko?) den Kopf. „Interessant“ flüsterte sie. Sie öffnete eine App. Kein Ton. Kein Licht. Nur ein aktives Gerät. Pring! Das Geräusch kam sofort.

„On“, sagte Horus fast unhörbar. Nina spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog. Sie stand auf. Ging langsam zum Fenster. Horus’ Kopf folgte ihr – ruckfrei, präzise. Kein Tier der Welt bewegte sich so.

„Die Techniker haben sich nochmal gemeldet“, sagte Kommissar Runde später.
Seine Stimme klang anders. Tiefer. Vorsichtiger. „Und?“ fragte Nina. „Die Kamerastörung im Museum… sie war nicht zufällig. Sie dauerte exakt 0,8 Sekunden. Immer an derselben Stelle. Immer in ungefähr auf derselben Höhe.“

Er lachte kurz. Ohne Humor. „Wissen Sie, wie hoch diese Stelle ist?“ Nina antwortete nicht.

„Ungefähr Schulterhöhe eines Erwachsenen. Oder…“ Er brach ab. „Oder in Höhe der Flugbahn eines kleinen Vogels.“ ergänzte Nina ohne aufzuschauen.

Stille.

„Ich hasse das“, sagte Runde schließlich. „Ich hasse das alles sehr.“

Der Satz, der bleibt

Als Nina ging, war es fast schon Abend. Sie zog ihre Jacke an, drehte sich noch einmal um. Horus saß ruhig. Zu ruhig. „Küsschen!“, rief er fröhlich. Dann – sehr sehr leise, aber ohne jeden Tonfallwechsel: „Wartung bestätigt.“

Nina verließ die Wohnung. Draußen, auf der Straße, blieb sie stehen. Nicht, weil sie Angst hatte. Sondern weil ihr klar wurde:

Der Vogel musste nicht gesteuert werden, er wurde von etwas anderem koordiniert. Aber vor allem eines verdrehte ihr noch mehr den Kopf. Wenn ihre Theorie stimmte: Wie viele waren da noch?

 Liebe Leserinnen und Leser – jetzt sind Sie gefragt!

Langsam fügen sich die Puzzleteile zusammen – oder etwa doch nicht?

Bevor Nina Falkenstein den letzten Schritt wagt, laden wir Sie ein, noch einmal genau hinzusehen:

  • Wenn es tatsächlich ein kleiner blauer Vogel auf der Kamera des Museums war – was hat er denn an diesem ungewöhnlichen Ort bloß getan?
  • Ist es wirklich Zufall, dass Horus immer dann ruhig wird, wenn Personen den Raum betreten?
  • Warum scheint der Vogel auf Licht, Technik und Stimmen zu reagieren?
  • Und eine letzte, vielleicht unbequeme Frage: An wen hatten Sie noch so GAR NICHT als Hauptverdächtige (n) gedacht?

Schreiben Sie uns Ihre Lösung des Falls unter ed.eimedakaorperac@ecivres und gewinnen Sie ein Krimidinner für zwei Personen!

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