Männer in der Betreuung: Wann ist ein Mann ein Mann? 

von | Nov. 18, 2025

„Männer wollen Männersachen machen?“

Wer schon einmal erlebt hat, wie eine männliche Betreuungskraft und ein männlicher Kunde gemeinsam den Rasenmäher begutachten, die Bundesliga-Ergebnisse durchgehen oder die Kaffeemaschine reparieren, weiß: Da funkt es – auf einer ganz eigenen Frequenz.
Doch ist das typisch „Mann“? Und brauchen wir in der Betreuung tatsächlich mehr Werkzeugkästen als Teekannen?

Zwischen Klischee und Kompetenz

Laut einer Auswertung des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2024 sind nur etwa 13 % der Beschäftigten in der ambulanten und stationären Betreuung männlich. In Kitas und Pflegeeinrichtungen liegt der Anteil etwas höher, aber die Betreuung älterer Menschen bleibt überwiegend weiblich geprägt. Dabei zeigen Studien, dass gemischte Teams zufriedenere Kundinnen und Kunden als auch ein besseres Arbeitsklima hervorbringen. Vielfalt tut also gut – nicht nur im Obstkorb.

Männer als Fachkräfte: anders im Zugang

Männer in der Betreuung berichten oft, dass sie mit Kundinnen und Kunden – besonders mit älteren Männern – schnell über „handfeste Themen“ ins Gespräch kommen: Technik, Autos, Politik, Sport oder „wie’s früher war“. Das ist kein Zufall: Kommunikation verläuft häufig über gemeinsames Tun statt über tiefes Reden. Wenn beim Glühbirnentausch im Schulterschluss ein Lebensrückblick mitschwingt, hat Betreuung ihr Ziel erreicht – in diesem Fall auf männliche Art eben (wobei diese „tatkräftige“ Art natürlich auch allen weiblichen Betreuungskräften offen steht…).

Viele Teams profitieren von einer „gemischten“ Zusammensetzung: Männliche Kollegen sind oftmals durch eine manchmal direktere Herangehensweise eine gute Ergänzung. Während manche Betreuungssituationen viel Geduld und Feinfühligkeit erfordern, profitieren manche Kundinnen und Kunden genau vom Gegenteil: Ein pragmatisches und bodenständiges Vorgehen, das Druck aus Situationen nehmen kann. Ganz ohne Klischees und Fachgespräche über „Teilgewinde-Torx-Spax mit Fräsrippen und Cut-Spitze“.

Männer als Kunden: Stolz, Struktur und Selbstbild

In der Seniorenbetreuung erleben Fachkräfte, dass Männer oft länger brauchen, um Hilfe anzunehmen. „Ich schaff‘ das schon“, „Das bisschen Haushalt“ oder „Ich war früher Ingenieur!“ – Sätze, die man nicht selten hört.
Hier hilft Humor, gepaart mit Respekt: Wenn Betreuungskräfte Aufgaben nicht „abnehmen“, sondern „gemeinsam anpacken“, bleibt das Selbstwertgefühl intakt.

Eine Befragung des Deutschen Pflegerats (2023) zeigt, dass rund 60 % der männlichen Senioren Betreuung eher akzeptieren, wenn sie als praktische Unterstützung und weniger als Fürsorge wahrgenommen wird. „Soll ich Ihnen mal beim Werkzeugkasten helfen?“ klingt eben anders als „Ich mach das für Sie, Herr Meier.“

Wenn Klischees Urlaub machen oder: Fluide Geschlechterrollen passen nicht in Schubladen…

Eines gilt es heutzutage aber auf jeden Fall zu bedenken:  Die klassischen Geschlechterrollen verwischen derzeit recht stark – zumindest bei den jüngeren Generationen.
Im Jahr 2025 ist es durchaus möglich, dass eine männliche Betreuungskraft stricken, häkeln, Makramee knüpfen kann und gleichzeitig fachkundig einen defekten Staubsauger beurteilt. Oder eben gerade letzteres einfach mit Ratlosigkeit quittiert… Viele bringen Fähigkeiten mit, die früher als „typisch weiblich“ galten – feinmotorisch, kreativ, geduldig. Während die Damenwelt sich unterdessen durchaus auch mal mit „selbstbohrenden Spanplattenschrauben“ zu beschäftigen vermag.

Und das bereichert die Betreuung enorm, weil es Horizonte öffnet und neue Zugänge schafft.

Bei männlichen Kunden indes trifft man häufig auf eine andere Sozialisation. Viele Senioren sind in einer Zeit aufgewachsen, in der Rollenbilder noch recht eindeutig waren: Männer schraubten, bauten, reparierten – Frauen nähten, kochten, sorgten. Entsprechend bevorzugen viele ältere Herren auch heute noch Aktivitäten wie Technik, Handwerk oder Gesprächsthemen rund um Beruf, Politik oder Sport. Es ist kein Muss – aber statistisch deutlich häufiger anzutreffen.

So stoßen in der Betreuung oft moderne Betreuungskräfte auf traditionelle Lebensbiografien. Und genau das macht den Austausch so spannend: Es entstehen Begegnungen, die nicht Klischees bedienen, sondern zeigen, wie vielfältig und individuell Menschen wirklich sind.

Warum gemischte Teams Gold wert sind

In der Betreuung kommt es zuvorderst nicht auf das Geschlecht, sondern auf die Haltung an. Unterschiedliche Perspektiven bereichern den Alltag. Männer bringen oft eine andere Energie ein, trauen sich handwerklich mehr zu oder schaffen über Humor und Tatkraft schnell Nähe. Frauen wiederum punkten mit Erfahrung, Empathie und Kommunikationsstärke. Gemeinsam ergibt sich dann, was Kundinnen und Kunden brauchen: Authentische Begegnungen auf Augenhöhe.

Unser Fazit

Ob mit Bohrmaschine oder Stricknadeln – gute Betreuung hat viele Gesichter. Männer sind nicht die „Exoten“ in der Betreuung, sondern eine wertvolle Ergänzung. Sie zeigen, dass Fürsorge kein Geschlecht kennt – und dass „Männersachen“ oft doch einfach nur Menschensachen sind.

 

 

 

 

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