Es gibt Sätze, die hören Betreuungskräfte erstaunlich häufig. Einer davon lautet: „Nein danke, ich habe keinen Durst.“ Dicht gefolgt von: „Ich habe doch heute Morgen schon einen Kaffee getrunken.“ Oder dem unerschütterlichen Klassiker: „Wenn ich so viel trinke, muss ich ja ständig zur Toilette.“
Spätestens in diesen vergangenen Hitzetagen, in denen das Thermometer vielerorts deutlich über die 35-Grad-Marke geklettert ist, bekommen solche Sätze ein anderes Gewicht. Während wir Jüngeren schon beim Anblick der Sonne zur Wasserflasche greifen, bleibt das Durstgefühl vieler älterer Menschen erstaunlich still. Nicht aus Sturheit. Sondern weil der menschliche Körper mit zunehmendem Alter das Signal „Du solltest jetzt etwas trinken!“ immer leiser sendet.
Das macht Hitze im Alter so tückisch.
Die vergangene Hitzewelle hat es eindrucksvoll gezeigt: Rettungsdienste berichteten bundesweit von einer steigenden Zahl hitzebedingter Notfälle. Dehydrierung, Kreislaufzusammenbrüche, Verwirrtheit oder Überhitzung treffen besonders ältere Menschen. Wer ohnehin Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat oder Medikamente einnimmt, gerät schneller an seine körperlichen Grenzen, als man denkt. Und oft beginnt alles ganz unspektakulär: mit einem Glas Wasser, das eben nicht getrunken wurde.
Natürlich weiß das niemand besser als Betreuungskräfte.
Sie erleben täglich den kleinen Balanceakt zwischen Fürsorge und Selbstbestimmung. Niemand möchte bevormundet werden. Gleichzeitig weiß jede Betreuungskraft, dass sie manchmal zur freundlichen Trinkbotschafterin werden muss. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Geduld, Charme und manchmal auch einer guten Portion Kreativität. Denn Hand aufs Herz: Ein lauwarmes Glas Leitungswasser begeistert die wenigsten Menschen. Warum sollte das mit 85 anders sein als mit 25?
Vielleicht liegt die Lösung deshalb gar nicht in der Trinkmenge, sondern in der Trinkfreude: Ein paar frische Erdbeeren im Wasser. Zitronenscheiben und Minze. Ein Hauch Basilikum. Ein paar Scheiben Pfirsich mit Rosmarin. Plötzlich wird aus einem Glas Wasser ein kleiner Sommergruß. Ein Getränk, über das man spricht, das man gemeinsam zubereitet und das Erinnerungen weckt: „Ach, Zitronenmelisse hatten wir früher auch im Garten…“ Schon ist aus einer Flüssigkeitsaufnahme ein Gespräch geworden. Und der Wunsch, einen Schluck zu nehmen, um vielleicht wieder die Kindheit auf der Zunge zu spüren.
Vielleicht müssen wir das Wasser also gar nicht neu erfinden. Manchmal genügt es, ihm ein wenig Farbe zu schenken. Einen Duft. Einen Namen. Oder eine Geschichte.
Genau hier könnte ein Geheimnis guter Betreuung liegen: Nicht das Trinken steht im Mittelpunkt, sondern der Mensch (das Trinken ist für ein gutes Wohlbefinden natürlich auch unabdingbar, aber das müssen wir ja nicht so offensichtlich werden lassen…). Die gemeinsame Zubereitung. Das Schnuppern an frischen Kräutern. Das Probieren. Das Erinnern. Wer sein Getränk selbst mit ausgesucht hat, greift oft ganz selbstverständlich noch einmal zum Glas.
Denn zwischen einem nüchternen „Sie müssen mehr trinken.“ und einem fröhlichen „Heute gibt es unsere selbstgemachte Super–Sommer- Limonade!“ liegen manchmal genau die paar Schlucke, die an einem heißen Julitag den entscheidenden Unterschied machen können.
In diesem Sinne: Stoßen Sie gemeinsam an. Auf den Sommer. Auf die Gesundheit. Und auf viele kleine Gläser, die sich fast unbemerkt leeren. Manchmal beginnt personenzentrierte Begleitung eben mit einem Eiswürfel, einer Erdbeere und der Frage: „Darf ich Ihnen unseren Sommer im Glas anbieten?“ 😊
Hier kommen einige einfach umsetzbare Tipps bzw. Rezepte, die sicherlich die oder den ein oder anderen Ihrer Kundinnen und Kunden Appetit auf mehr machen werden…
Erdbeer-Basilikum-Spritz – Der Sommer im Glas
Diese Limonade schmeckt überraschend frisch und sieht wunderschön aus. Gerade Menschen, die „nur Wasser“ langweilig finden, greifen hier gerne noch einmal zu.
Zutaten (für ca. 1 Liter): 6-8 Erdbeeren, 8-10 Basilikumblätter, Saft einer halben Zitrone, 1 Liter kaltes Mineralwasser (still oder medium), optional 1-2 TL Honig oder Holunderblütensirup, Eiswürfel
Zubereitung: Die Erdbeeren leicht zerdrücken, Basilikum zwischen den Fingern kurz anreiben (dadurch entfalten sich die ätherischen Öle), alles mit Zitronensaft und Wasser aufgießen und zehn Minuten ziehen lassen.
Aktivierungsidee: Fragen Sie: „Wonach riecht der Basilikum für Sie? Hatten Sie denn früher Kräuter im Garten?“
Pfirsich-Rosmarin-Sommerwasser
Fast wie ein Urlaub im Süden: Rosmarin klingt zunächst ungewöhnlich, harmoniert aber hervorragend mit süßem Pfirsich.
Zutaten: 1 reifer Pfirsich, 1 kleiner Zweig Rosmarin, einige Scheiben Orange, 1 Liter Wasser, Eiswürfel
Zubereitung: Pfirsich in dünne Scheiben schneiden, Orange dazugeben, Rosmarinzweig leicht andrücken und alles mindestens 20 Minuten ziehen lassen. Tipp: Wer mag, gibt einen kleinen Schuss Apfelsaft hinzu.
Biografiearbeit: „Gab es bei Ihnen früher Obstbäume im Garten?“
Wassermelonen-Minze-Fizz – Erfrischung mit Urlaubsgefühl
Gerade Wassermelone besteht fast nur aus Wasser und sorgt für einen angenehm milden Geschmack.
Zutaten: 250 g Wassermelone, einige Minzblätter, Saft einer halben Limette, 750 ml Mineralwasser
Zubereitung: Melone grob zerdrücken oder pürieren, mit Limettensaft verrühren und Mineralwasser hinzufügen. Minze leicht zwischen den Händen reiben und dazugeben.
Besonders schön: Mit kleinen Melonenkugeln servieren.
Zum Abschluss noch ein Extra – Tipp für Betreuungskräfte:
Schaffen Sie eine „Do–it–yourself“–Limonadenbar für Ihre Kunden. Stellen Sie einfach mehrere Schälchen mit Zutaten bereit: Gurkenscheiben, Zitronen, Limetten, Erdbeeren, Heidelbeeren, Orangenscheiben, Minze, Zitronenmelisse, Basilikum.
Lassen Sie Ihre Kundinnen und Kunden ihre eigene Lieblingslimonade zusammenstellen. Oder vielleicht noch Wünsche und Ideen für die Limonadenbar äußern. Das fördert Selbstbestimmung, regt Gespräche an und macht aus einem Glas Wasser ein kleines Sommererlebnis.





