Wenn Worte nicht mehr ausreichen, beginnt das Gesicht zu sprechen

von | Juli 17, 2026

Wie Mimikresonanz Betreuungskräften helfen kann, Menschen (mit Demenz) besser zu erreichen 

 Es gibt Momente in der Betreuung, da scheint jedes Wort ins Leere zu laufen: „Ist alles in Ordnung?“ „Ja.“ 

Dabei ist offensichtlich, dass nichts in Ordnung ist: Der Blick ist angespannt, die Lippen fest zusammengepresst, die Stirn leicht gerunzelt. Irgendetwas beschäftigt Ihren Kunden. Aber er findet keine Sprache mehr dafür. Manchmal, weil die Worte fehlen. Manchmal, weil Demenz Gedanken und Gefühle nicht mehr zuverlässig in Sätze verwandeln kann. Und manchmal auch, weil jemand sein Leben lang gelernt hat, Sorgen lieber für sich zu behalten. 

Doch das bedeutet keineswegs, dass Kommunikation endet. 

Gerade dann beginnt etwas, das in der Betreuung mindestens genauso wichtig ist wie das Zuhören: das Beobachten. Oder sagen wir: die Kommunikation verlagert sich auf eine andere Ebene. 

Und hier setzt das Konzept der Mimikresonanz® an, das der Psychologe Dirk W. Eilert entwickelt hat. Vielen Menschen ist Mimikresonanz als Methode bekannt, um Gefühle bei anderen besser zu erkennen. Was auch einen Großteil dieser Methode ausmacht. Für Betreuungskräfte steckt darin jedoch noch ein zweiter, mindestens genauso spannender Gedanke: Nicht nur die Mimik des Gegenübers ist wichtig, sondern auch die eigene. Um wieder in Verbindung mit einer Kundin treten zu können zum Beispiel, deren Verarbeitungsgeschwindigkeit von gesprochenen Wörtern bis hin zur Umsetzung im Gehirn enorm verlangsamt oder sogar komplett gekappt ist. 

Ein freundlicher Blick. Ein ehrliches Lächeln. Eine ruhige Ausstrahlung. Eine offene Haltung. Das Gesicht wird zur Sprache, lange bevor ein Wort verstanden wird. Denn wir alle senden ununterbrochen Signale aus. Oft, ohne es zu bemerken. Wer jetzt denkt, beim Konzept der Mimikresonanz handele es sich mehr oder weniger um eine Anleitung zum „Gedanken lesen“, der liegt falsch: Mimikresonanz ist keine Zauberei und auch kein Werkzeug, um andere zu „durchschauen“. Vielmehr hilft sie dabei, genauer hinzusehen und die eigenen Wahrnehmungen mit Einfühlungsvermögen zu verbinden. 

Stellen Sie sich eine Kundin vor, die beim Mittagessen immer wieder den Teller wegschiebt. Vielleicht vermuten Sie zunächst mangelnden Appetit. Wenn Sie jedoch genauer hinsehen, bemerken Sie zweifelsfrei einen kurzen Ausdruck von Ekel oder Schmerz, sobald sie einen Bissen kaut. Möglicherweise drückt der Zahnersatz oder das Essen ist zu heiß. Ein genauer Blick kann helfen, die eigentliche Ursache zu erkennen. Erfahrende Betreuungskräfte wissen: Für Menschen mit Demenz können genau diese kleinen Signale entscheidend sein. 

Denn während das Sprachverständnis im Verlauf der Erkrankung nachlassen kann, bleibt die Fähigkeit, Stimmungen wahrzunehmen, oft erstaunlich lange erhalten. Viele Betroffene spüren sehr genau, ob ihnen jemand mit Ruhe, Wertschätzung und echter Zuwendung begegnet. Sie verstehen vielleicht nicht mehr jedes Wort, aber sie nehmen wahr, wie etwas gesagt wird und welcher Ausdruck das Gesicht begleitet. 

 Vielleicht kennen Sie selbst solche Situationen? Sie betreten die Wohnung eines Kunden, lächeln ihn an, gehen langsam auf ihn zu und begrüßen ihn mit einem warmen Blick. Noch bevor Sie Ihren ersten Satz beendet haben, entspannt sich sein Gesicht. Die Schultern sinken ein wenig, der Blick wird ruhiger. Oder eben das Gegenteil: Sie kommen abgehetzt von einem anderen Termin, denken noch an das klingelnde Handy oder den Stau auf der Straße. Obwohl Sie freundlich sprechen, wirkt Ihr Gesicht angespannt. Ihr Gegenüber wird unruhig, zieht sich zurück oder reagiert gereizt. 

Natürlich geschieht das nicht immer. Aber solche Situationen zeigen, wie eng Gefühle und der Ausdruck unseres Körpers und unseres Gesichts miteinander verbunden sindEmotionen übertragen sich. Nicht durch Magie, sondern eben schlicht auch durch unsere Mimik. Mit in Falten gelegter Stirn und hängenden Mundwinkeln könnten wir sprachlich auch blumengerankte Oden von Ovid darbieten – der Erfolg der zuckrigen Worte wäre sicherlich dennoch gering. 

Der logische Rückschluss: Gute Kommunikation beginnt häufig nicht mit der richtigen Formulierung, sondern mit der Frage: „Was strahle ich gerade aus?“ Übrigens ein Ansatz, der jeder Managementkraft, die auf Bühnen vor Publikum die Jahreszahlen oder ähnliches präsentieren muss, nicht unbekannt sein dürfte. Doch zurück zur Betreuung: Es  geht hier keineswegs darum, Gefühle zu spielen oder sich eine künstliche Freundlichkeit aufzusetzen. Menschen merken erstaunlich schnell, ob ein Lächeln echt ist. Vielmehr geht es darum, die eigene innere Haltung sichtbar werden zu lassen 

Mimik ersetzt Sprache nicht. Aber sie ergänzt sie auf eine Weise, die gerade bei Menschen mit Demenz von unschätzbarem Wert sein kann. 

Die Bedeutung nonverbaler Kommunikation wird in der Betreuung älterer Menschen in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Umso wichtiger ist es, dieses Wissen nicht nur theoretisch kennenzulernen, sondern auch praktisch zu erleben und auszuprobieren. 

Wir freuen uns sehr, dieses spannende und wichtige Thema in Ihr Fortbildungsprogramm aufgenommen zu haben:  

Am 16. September 2026, von 19.00 bis 21.00 Uhr, widmet sich der Vortrag „Mimikresonanz in der Betreuung“ den hier geschilderten Themen. Dieser Vortrag wird von Mimikresonanztrainer Hagen Alkis geleitet und verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit vielen Beispielen aus dem Betreuungsalltag. Freuen Sie sich auf einen Abend voller Aha-Momente und praktischer Impulse, die Sie schon am nächsten Tag in Ihrer Arbeit anwenden können.

Denn manchmal beginnt der wichtigste Dialog nicht mit einem Satz, sondern mit einem offenen Blick. 

Hier geht’s zu Buchung: https://carepro-akademie-lms.de/training/show/308

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